21.May 2012 00:35

25.1.2006

VoIP rules the world? Das Ende traditioneller Telefonie?

Die Computermesse CeBit, vom 09. bis zum 15. März 2006 in Hannover, hat Voice over IP, und damit Internettelefonie, zu einem ihrer Schwerpunkte erklärt. Die Veranstalter der Messe sehen auch Video over IP, also Videokonferenzen, schon bald schon als Standard im Geschäftsalltag. Die Infrastruktur rund ums Telefonieren wird sich mit Sicherheit verändern. Und dies könnte tatsächlich das Ende traditioneller Festnetztelefonie bedeuten.

Im Jahr 2005 veröffentlichte der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco seine Studie "Internet Agenda 2015". Für diese Studie fragte der Verband 300 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt über 200.000 Mitarbeitern und insgesamt 40 Milliarden Euro Jahresumsatz. Von allen Befragten sahen 53 Prozent für die Zukunft einen großen Marktanteil für VoIP voraus. Etwa 33 Prozent aller Teilnehmer der Studie glaubten gar, VoIP werde das Festnetz und den klassischen Mobilfunk in den kommenden 10 Jahren fast völlig verdrängen. Diese Thesen sind allerdings nicht unumstritten.

Das US-Marktforschungsunternehmen Forrester Research fand in seiner aktuellen Studie heraus, dass VoIP immerhin für 70 Prozent der Europäer bisher ein unbekannter Begriff unbekannt ist. Fast ausschließlich über das Internet telefoniert, nach dieser Studie, nur ein Prozent der Europäer. Forrester Research sieht die Marktentwicklung für VoIP deshalb kritischer als der Verband der deutschen Internetwirtschaft.

Ein wesentlicher Faktor für die Umstellung auf VoIP ist für viele Nutzer der Preis. Das Umfrageportal meinungspool.de befragte Anfang 2005 rund 1000 Internetnutzer. Die Befragung gilt als repräsentativ. 77,8 Prozent aller Befragten gaben an, dass Preisvorteile für sie eine große Rolle spielen. Allerdings sind die Preisvorteile von VoiP gegenüber traditionellem Telefonieren manchmal nur scheinbar und entspringen mehr einem positiven Image als harten Fakten. Zu diesem Schluss kam eine Untersuchung der Stiftung Warentest im Sommer 2005. Wirklich kostenfrei ist ja nur das Telefonieren von Computer zu Computer, Anrufe vom Computer ins Festnetz und in die Mobilfunknetze sind dagegen kostenpflichtig. Und hier, so die Stiftung Warentest, sind Anbieter von Billigvorwahlen immer noch eine sehr ernstzunehmende, manches Mal preisgünstigere Konkurrenz.

Ein anderer entscheidender Faktor wird die Sprachqualität beim Telefonieren sein. Hierzu organisierte das Netzwerkunternehmen Keynote Systems in den USA einen groß angelegten Test. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Studie tätigten in den Monaten Mai und Juni 2005 insgesamt etwa 150.000 Anrufe vom Computer ins Festnetz, wobei die Sprachqualität der Anrufe analysiert wurde. Sie testeten damit insgesamt sechs Anbieter von Telefonaten über das Internet. Ergebnis: In allen Messkategorien verfehlte VoIP die Vorgaben für Festnetz-Telefonie. Die Studie ging dennoch davon aus, dass VoIP dadurch nicht wirklich aufgehalten wird.

Laut Angaben eines Artikels auf der Webseite voipmagazin.de nutzen bisher etwa 500.000 Menschen in Deutschland VoIP. Im Businessbereich sind es nach Angaben im Artikel 14 Prozent aller Unternehmen, die sich der Technik für Internet-Telefonie bedienen. Und immerhin 12 Prozent aller internationalen Gespräche aus Deutschland werden mithilfe von VoIP geführt.

Betrachtet man diese Zahlen, so kann von einer Verdrängung von Festnetz und klassischem Mobilfunk noch keine Rede sein. Für eine verhältnismäßig junge Technologie sind diese Zahlen dennoch beeindruckend. Die Zukunft wird zeigen, ob sie bald noch beeindruckender werden.