6.4.2006
Asterisk - VoIP-Telefonanlage für Linux
Asterisk ist eine so genannte Open Source Software, die einen Linux-PC zur leistungsfähigen Voice over IP Telefonanlage macht. Das kostenlose Programm Asterisk ermöglicht alle Funktionen einer guten Telefonanlage. Voicemails und Anrufbeantworter gehören ebenso zum Leistungsumfang wie Telefonkonferenzen, Weiterleitungen, Musik für die Warteschleife und Wahlwiederholungen. Eingehende Anrufe können in einer Warteschleife geparkt, Rufnummern übermittelt und Anrufe mitgeschnitten werden. Asterisk lässt sich auch so einstellen, dass das Programm Nachrichten als E-Mail weiterleitet. Anklopfen ist eine weitere Funktion, die sich mit realisieren lässt. Für den Betrieb eines eigenen Callcenters, taugt das Programm genauso gut. Hier kann es unter anderem die Dauer eines Gesprächs protokollieren. Die Zeit eines Anrufes und das Datum werden ebenso festgehalten. Auch Callcenter Agenten von außerhalb, können in das Telefonsystem integriert werden. Telefonnummern werden auf Wunsch aus Listen automatisch angewählt. Das System kann zudem mit einer Datenbank kooperieren und erlaubt die Steuerung von Menüs mit Sprache.
Durch einen so genannten "Codec Translator", kann Asterisk unterschiedliche Audio Codecs interpretieren. So dient das Programm auch als Schnittstelle für Endgeräte, die ansonsten nicht miteinander kommunizieren könnten. Asterisk kann sehr individuell konfiguriert werden und auch hervorragend als Schnittstelle zwischen Festnetz und VoIP dienen, sofern die VoIP Hardware das SIP Protokoll nutzt. Das Programm unterstützt übrigens verschiedene VoIP-Protokolle sowie T1 und Loopstar. Diese Protokolle ermöglichen die Kommunikation von Endgerät zu Endgerät, sind also so etwas wie eine gemeinsame Sprache. Asterisk kann dabei als eine Art Übersetzer fungieren.
Ganz einfach ist es allerdings nicht, das Programm zu konfigurieren. Eine grafische Oberfläche, die das eventuell vereinfachen könnte, kann beispielsweise nur mit Zusatzprogrammen, wie dem PBX-Manager erzeugt werden. Das ist vor allem für den laufenden Betrieb wichtig, denn eine Telefonanlage, die nur über kryptische Befehle auf der Linux Kommandozeilen Ebene administriert werden kann, wäre kaum praxistauglich. Wie eine Konfiguration von Asterisk funktionieren könnte, zeigt die Internetseite für den Internetserver Eisfair. Computer-Laien werden mit den dort aufgelisteten Informationen allerdings wenig anfangen können.
Über Schnittstellen können auch eigene Skripte in die Software eingebaut werden. Dadurch lässt sich Asterisk um weitere Funktionalitäten erweitern. Der Asterisk Programmcode ist frei zugänglich. Koordiniert wird das gesamte Projekt von Mark Spencer, auf dessen Entwicklung Asterisk: zurückgeht. Er wird finanziell unterstützt durch die US-amerikanische Firma Digium Inc. Neben Linux, läuft Asterisk auch auf den Betriebssystemen OpenBSD, FreeBSD und Mac OS-X.
Die Version 1.2.5 ist die zurzeit Aktuelle. Zusatzprogramme wie HUDlite und HUDpro erweitern die Möglichkeiten der Software und vereinfachen die Handhabung. Die beiden Programme stellen grafische Oberflächen bereit. Weiterhin geben sie dem Anwender eine ganze Reihe von weiteren Informationen über die Asterisk-Telefonanlage. Wer befindet sich in der Warteschleife? Mit welchem angeschlossenen Telefon wird gerade telefoniert? Diese Zusatzprogramme sollen ab April 2006 angeboten werden und sind, ebenso wie Asterisk, kostenlos.
Asterisk ist inzwischen so ausgereift, dass selbst viele VoIP Provider diese Plattform im Produktivbetrieb einsetzen. Dennoch sind größere Firmen gut beraten, nicht gleich ihre komplette TK-Anlage auf Asterisk umzustellen. Besser ist ein zeitweiser Parallelbetrieb von Asterisk, neben der bisherigen Telefonanlage.
Wer sich intensiver mit Asterisk beschäftigen möchte, dem sei abschließend das, voraussichtlich im Juni 2006 erscheinende, Buch "VoIP mit Asterisk" aus dem dpunkt Verlag empfohlen. Zur Zielgruppe des Buches gehören Netzadministratoren, Kommunikationsberater oder Studenten mit passendem Studienfach.
Images: © asterisk.org
